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Der kühle Glanz der Sehnsucht gegen den flüchtigen Moment der Zeit

 

Curated by Dr. Barbara Jenner

23 June – 5 August 2017

Artist line up

Tony Cragg
Anna Freeman Bentley
Michelle Jezierski
Alfons Pressnitz

 

Press release

Pressemitteilung

 


Pressemitteilung – please scroll down for English

Der kühle Glanz der Sehnsucht gegen den flüchtigen Moment der Zeit
Mit Werken von Tony Cragg, Anna Freeman Bentley, Michelle Jezierski und Alfons Pressnitz

Visualisierungen von Sehnsuchtsorten durchziehen nicht nur die Kunstgeschichte, sondern sind längst Teil des kollektiven Gedächtnis geworden, sei es die unbekannte Ferne, die romantische Landschaft, die unberührte Natur oder der behütete bürgerliche Innenraum. Als Projektionsfläche für eigene Wünsche und Empfindungen symbolisieren sie zugleich eine Flucht aus dem Alltäglichen.
Die vier Künstler der Ausstellung nehmen in verschiedener Weise Bezug zu diesem Thema und stellen dessen aktuelle Relevanz und Bedeutung in Frage. Fragmentiert, überzeichnet und strukturiert zeigt sich schließlich ein neues Bild der Sehnsucht, das sich historischen Idealisierungen zwar durchaus bewusst ist, diese aber in einen zeitgenössischen Kontext zieht. Ausgehend von Fotografien schafft Michelle Jezierski in ihren Malereien ein neues Bild der Landschaft, das sich wagemutig den kitschigen Klischees der romantischen Landschaftsbildern nähert, ohne diesen zu verfallen. Geordnet und strukturiert stellt das Bild schließlich nur Teile eines Bildes dar, in dem sich eine Idylle kaum herstellen lässt. Sich überlappende Strukturen, Fragmente unterschiedlichen Ursprungs kombiniert mit Linien, Rastern und Ebenen, die sich ergänzen, ineinander übergehen und wieder auflösen. Die gewählten Farben, zwischen gesättigten dumpfen und grellen Neontönen wechselnd, verweisen auf die Wahrnehmung unserer Zeit – in einer technisierten Welt verlieren erdige Farben ihre Akzeptanz. Zwischen Abstraktion und figurativer Landschaftsmalerei, entsteht die Illusion eines sich über die Leinwandgrenzen ausdehnenden Raumes, in der Perspektiven keinen Zentralpunkt mehr haben. Es kommt zu Brechungen, Überschneidungen und schließlich neuen Landschaften. Die Wahrnehmung ändert sich, Realitäten überlappen sich, das Bild wird manipuliert. Dem ausgedehnten Raum auf Jezierskis Arbeiten steht der enge verdichtete Innenraum von Anna Freeman Bentley gegenüber. Interieur unterschiedlicher Art, dichtbehängte Wände und Spiegelungen von Licht und Gegenständen schaffen eine Raumdichte, die das Blickfeld bedrohlich verengt und zentriert. Der großzügige Pinselauftrag verleiht dem Figurativen abstrakte Dimensionen und wird durch die Farbwahl – düstere erdige Töne durchbrochen von einem künstlich-opak wirkenden Spektrum samtiger Pink- und Grüntöne – noch zusätzlich betont. Atmosphärische Tiefen und komplexe Spiegelungen ziehen sich durch die Arbeiten. In vielen Arbeiten finden sich zusätzlich Brechungen linearer und flächiger Art, die das Bild diagonal trennen und sich wie eine Linse davor positionieren. Damit erfährt der Blick in den Innenraum, und dessen Wahrnehmung eine Verschiebung, zudem wird der Betrachter ständig aufs Neue herausgefordert. Alfons Pressnitz setzt der Idylle der Landschaft eine klares Gegenüber, ganz bewußt rechnet er mit der Vorstellung romantischer Landschaften ab. Auf seinen teils großformatigen Malereien ist es der Blick in die Ferne, der das Bild bestimmt, der in den Bildern aber durch verschiedene Elemente eine Störung erfährt. Zwischen Zivilisationsmüll und Industrielandschaften wird die Idylle durchbrochen, das Bild der Vorstellung verzerrt. In einer gewagten Dichte abstrakter und figurativer Elemente steht der illusorischen Tiefe der Leinwand immer wieder die flache Ebene des Abbildes entgegen. Seine Scherenschnitte verbinden ein abstraktes Element, die Formen werden zu Schatten ihrer selbst und vereinen sich in einem Konglomerat von Flächen, die den Blick immer nur für Fragmente freigeben. Die Arbeiten von Tony Cragg fügen der Ausstellung eine skulpturale Komponente hinzu. Unzählige organische Einheiten formen sich zu einem Gesamten. Von der Zeichnung ausgehend sind es die Formen der Natur die das Vokabular der Skulpturen bestimmt. Das Verhältnis von Kunst und Natur auslotend sind es gerade die Wandlungen der Dinge, die unterschiedlichen Eigenschaften von Materialien, die den Bildhauer interessieren und seine spezifische Sprache formen. Die Natur und die Landschaft werden zum Sinnbild, zum Ort der Sehnsucht, in dem der Mensch immer nur abwesend sein kann. Die Sehnsucht glänzt in kühlen Farben, der Moment bleibt flüchtig.
Dr. Barbara Jenner ist Kunsthistorikerin und freie Kuratorin. Sie studierte Tapisserie (Textiles Gestalten) an der Universität für Bildende Künste in Wien und promovierte 2003 zu den Anfängen der Kinematografie und deren Bezügen zu Malerei und Fotografie. Daraufhin war sie im Galerie- und Ausstellungsbereich tätig und realisierte verschiedene Projekte im Kunstbereich. 2015 gründete sie die Onlinegalerie Five & Dime – Limited Editions and Multiples. Seit August 2016 ist sie im Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI, Programmbereich Bildende Kunst tätig.
Tony Cragg, Jahrgang 1949, nahm sein Studium am Gloucestershire College of Art and Design auf, besuchte anschließend die Malklasse der Wimbledon School of Art, bevor er 1973 an das Royal College of Art in London wechselte. In den 80er Jahren nahm er teil an der documenta 7 und 8 und an fünf Biennalen in Venedig. Er hat zahlreiche Lehraufträge und Professorenstellen an deutschen und englischen Hochschulen besetzt. Seine Skulpturen sind in zahlreichen öffentlichen und priva- ten Sammlungen weltweit vertreten, darunter in der Kunsthalle Bern, im Brooklyn Museum in New York, dem Art Institute of Chicago und dem Museo Cantonale d’Arte in Lugano.
Anna Freeman Bentley wurde 1982 in London geboren und studierte von 2000 bis 2010 an unter- schiedlichen Londoner Universitäten. Ein Erasmus-Austausch brachte sie 2003 an die Kunsthoch- schule Weissensee in Berlin. Sie ist seit 2007 regelmäßig mit Kunstpreisen ausgezeichnet worden und wurde in große Sammlungen wie Saatchi, London, Pied a Terre, London, Howard and Roberta Ahmanson Collection, Kalifornien, USA und dem Chelsea College of Art & Design Collection, Lon- don, aufgenommen.
Michelle Jezierski, geboren 1981 in Berlin, studierte an der Universität der Künste in Berlin bei dem Bildhauer Tony Cragg. 2005 erhielt sie ein Stipendium an der Cooper Union in New York City, wo sie bei Amy Sillman studierte. Neben Ausstellungen in Deutschland wurden ihre Werk auch in Kroatien, Israel, Italien und den USA gezeigt und sind in zahlreichen internationalen öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten.
Alfons Pressnitz ist 1982 in Wagna, Österreich geboren und studierte an der Ortweinschule für Kunst und Design in Graz, bevor er an die Kunstakademie Düsseldorf, Klasse Herbert Brandl, wechselte. 2007 schloss er sein Diplom an der Universität für angewandte Kunst in Wien ab. Seit- dem ist Pressnitz regelmäßig ausgestellt worden und in folgenden öffentlichen Sammlungen vor- handen: Sammlung des Bundeskanzleramtes Österreich, Sammlung der Stadt Graz, Sammlung der Neuen Galerie – Universalmuseum Joanneum Graz, Sammlung des Landes Salzburg, Samm- lung der Universität für angewandte Kunst Wien und der Sammlung des RC Albertina Wien.

Die KünstlerInnen und die Kuratorin werden zur Eröffnung am 23. Juni anwesend sein.

Für Fragen oder für weitere Informationen stehen wir Ihnen jeder Zeit zur Verfügung.
Druckfähiges Bildmaterial senden wir Ihnen auf Anfrage gerne zu.

Kontakt:
Janina Rösner: berlin@68projects.com
Tel: +49 30 889 228 76 | Fax +49 30 889 225 899

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Dear Sir/Madam,

Featuring works by Tony Cragg, Anna Freeman Bentley, Michelle Jezierski and Alfons Pressnitz.

Pink, bordering on bright neon, emerges from the canvas with radiant luminosity, part of a grid that is barely contained by the limits of the pictorial space. Based on photos, Michelle Jezierski’s paintings create a new image of landscape: overlapping structures, fragments of diverse origin, combined with lines, grids and planes that complement, penetrate and dissolve each other. Her colours of choice, shifting between saturated, subdued and bright hues of neon, are a reference to the perception of our time- in a technicized world, earthy colours lose their relevance. Between abstraction and figurative landscape painting, there emerges the illusion of a space that extends beyond the canvas, where perspectives no longer have a focal point, creating disruptions, intersections and, finally, new landscapes. Perception changes, realities overlap, the image is manipulated.

In contrast to the extended space of Jezierki’s works, there is Anna Freeman Bentley’s dense inner space. The most diverse interiors, densely hung walls and reflections of light and objects create a spatial density that ominously narrows and centres the visual field. The generous brushwork provides the figurative with an abstract dimension, further accentuated by the choice of colours- sombre, earthy hues, refracted by an artificial-seeming spectrum of primary colours. The works are suffused with atmospheric depths and complex reflections.

Alfons Pressnitz confronts the idyll of landscape with its counterpart, consciously settling a score with the romantic notion of landscape. His partly large-scale paintings emphasize the gaze into the distance, albeit disrupted by several elements. The paper cuts contain an abstract element, the forms become shadows of their former selves and come together in a conglomerate of surfaces that will only ever allow for a fragmented view.

The works of Tony Cragg add a sculptural component to the exhibition. Countless organic units merge into one big whole. Based on drawings, the visual vocabulary of the sculptures is dominated by natural forms. Exploring the relation between art and nature, the sculptor is particularly interested in the transformation of things, the different characteristics of matter that shape his specific language. Nature and landscapes are turned into symbols, places of longing, where humans can only ever be absent. Longing shimmers in cold colours, the moment remains fleeting.

Dr. Barbara Jenner is an art historian and independent curator. She studied tapestry (textile design) at the Academy of Fine Arts in Vienna, completing a doctorate on early cinematography and its relation to painting and photography in 2003. She then worked for galleries and exhibitions, realizing several projects in the art sector. In 2015, she founded the online gallery Five & Dime- Limited Editions and Multiples. Since 2016, she has been working for the Association of Arts and Culture of the German Economy at the Federation of German Industries in the sector for fine arts.

Tony Cragg, born in 1949, studied at Gloucestershire College of Art and Design, attended painting courses at Wimbledon School of Art, before enrolling at the Royal College of Art in 1973. In the 1980s, he participated in documenta 7 and 8 and in five Venice Biennales. He has held numerous teaching posts and professorships at German and English universities. His sculptures are represented in many public and private collections worldwide, such as the Kunsthalle Bern, the Brooklyn Museum in New York, the Art Institute of Chicago and the Museo Cantonale d’Arte in Lugano.

Anna Freeman Bentley was born in London in 1982 and studied at different London universities between 2000 and 2010. In 2003, she was an Erasmus student at Berlin Weissensee School of Art. Since 2007, she has been the recipient of numerous art awards and has been included in many important collections, such as Saatchi, London, Pied a Terre, London, the Howard and Roberta Ahmanson Collection, California, USA, and the Chelsea College of Art & Design Collection, London.

Michelle Jezierski, born in 1981 in Berlin, studied at Berlin University of the Arts under Tony Cragg. In 2005, she received a scholarship from Cooper Union in New York City, where she studied under Amy Sillman. In addition to Germany, her works have been shown at exhibitions in Croatia, Israel, Italy and the U.S. and are represented in numerous international public and private collections.

Alfons Pressnitz was born in 1982 in Wagna, Austria, and studied at the Ortweinschule for Art and Design in Graz, before attending the Kunstakademie in Düsseldorf under Herbert Brandl. He graduated from the University of Applied Arts Vienna in 2007. Since then his works have been exhibited on a regular basis, especially in the German-speaking world. His works have been included in public collections, such as the collection of the Austrian Federal Chancellery, the collection of the city of Graz, the collection of the Neue Gallerie-Universalmuseum Graz, the collection of the state of Salzburg, the collection of the University of Applied Arts Vienna and the collection of the RC Albertina, Vienna.

The artists and the curator will be present for the opening on June, 23.

Should you have any questions or require further information, please do not hesitate to get in touch. We are happy to provide printable images on request.

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